Unsere Euro-Banknoten bekommen ein neues Gesicht – und Sie können mitreden!

Autor: Valentin Schoier

Dass Kultur und Geld immer wieder Allianzen eingehen, um sich gegenseitig zu stärken, ist bekannt. Geldscheine vereinen schlüssig ökonomisches und kulturelles Kapital. Sie transportieren wirtschaftlichen Wert und ein Bild davon, wofür eine Gemeinschaft steht. Gerade für Europa mit seiner reichen Kulturgeschichte liegt eine Motivwahl mit kulturellem Schwerpunkt nahe. Zugleich sind die Vielfalt der europäischen Natur und ihr Schutz ein wichtiger Teil unserer Identität.

Auf dieser Grundlage hat der EZB-Rat zwei Themen für die nächste Generation der Euro-Banknoten ausgewählt: „Europäische Kultur" einerseits und „Flüsse und Vögel" stellvertretend für die europäische Natur andererseits. In diese Entscheidung flossen Umfragen und Fokusgruppen ein, an denen sich mehr als 365.000 Europäerinnen und Europäer beteiligt haben.

Zehn Entwürfe stehen zur Auswahl

Die Entwürfe stammen aus einem EU-weiten Design-Wettbewerb: Mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und -designer aus allen EU-Ländern haben sich beworben. Eine unabhängige Jury mit Mitgliedern aus allen Ländern des Euroraums bewertete die eingereichten Vorschläge anonymisiert – unter anderem nach Kreativität, thematischer Stimmigkeit und Zugänglichkeit – und wählte zehn Entwürfe aus, fünf je Thema.

Fünf Entwürfe zum Thema „Flüsse und Vögel“ 

Alle fünf zeigen dieselben sechs Vogelarten, je eine pro Stückelung: Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Weißstorch, Säbelschnäbler und Basstölpel. Gemeinsam bilden sie die europäischen Naturräume von der Bergquelle bis zum Meer ab. Je höher der Wert der Banknote, desto näher rückt die Landschaft der Küste. Auf den Rückseiten sind Institutionen der Europäischen Union zu sehen.  Gleichzeitig stehen Vögel für Freiheit. Schließlich kennen sie keine nationalen Grenzen.

Fünf Entwürfe zum Thema „Europäische Kultur“

Hier zeigen die Vorderseiten Persönlichkeiten von grenzüberschreitender Bedeutung, die Rückseiten gemeinsame Kulturräume wie Museen, Bibliotheken, Schulen oder öffentliche Plätze. Porträtiert werden die griechische Opernsängerin Maria Callas, der deutsch-österreichische Komponist und Pianist Ludwig van Beethoven, der italienische Maler, Bildhauer, Ingenieur, Architekt und Naturphilosoph Leonardo da Vinci, der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes, die polnisch-französische Physikerin und Chemikerin Marie Curie Sklodowska sowie die österreichische Schriftstellerin und Friedensaktivistin Bertha von Suttner, die 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt.

Warum es neue Banknoten braucht: Sicherheit, Nachhaltigkeit, Inklusion und eine stärkere europäische Identität

Der Falschgeldanteil im Euroraum ist sehr gering. Neuen Fälschungsmethoden soll aber frühzeitig entgegengewirkt werden. Zugleich soll der Umweltfußabdruck der Banknoten über ihren gesamten Lebenszyklus sinken, und die neuen Noten sollen für Menschen mit Seheinschränkung besser erkennbar sein. Und schließlich das Aussehen selbst: Die heutigen Banknoten zeigen Fenster, Tore und Brücken. Vom Österreicher Robert Kalina bewusst erfundene Bauwerke, damit sich kein Land bevorzugt fühlt. Künftig sollen reale Motive einen gemeinsamen europäischen Bezug herstellen.

Wichtig zu wissen: Die heutigen Euro-Banknoten bleiben gesetzliches Zahlungsmittel. Nach der Entscheidung über Design und Herstellungsverfahren werden noch mehrere Jahre vergehen, bis die ersten neuen Banknoten ausgegeben werden.

Möchten Sie mitbestimmen, welche Designs Ihre Favoriten sind?

Noch bis 21. September 2026 läuft die öffentliche Umfrage der EZB zu den zehn Entwürfen.

Teilnehmen können alle Menschen in Europa; die Umfrage ist in allen EU-Amtssprachen verfügbar und dauert nur wenige Minuten. 

Machen Sie mit und bringen Sie sich ein! Ihre Meinung ist gefragt! Hier geht´s zur Umfrage.

Parallel dazu befragt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine repräsentative Stichprobe von Bürgerinnen und Bürgern des Euroraums mit denselben Fragen. Der EZB-Rat wird die Rückmeldungen aus beiden Umfragen berücksichtigen, bevor er das endgültige Design auswählt. Diese Auswahl wird er voraussichtlich gegen Ende 2026 treffen.