Das kleine Ist’s-Was-Feines: Finanz- und Verbraucher:innenbildung im Kindergarten

Autorin: Julia Jakob

Konsum ist für Kinder bereits im Kindergartenalter allgegenwärtig. So gehen sie zum Beispiel mit in den Supermarkt oder sehen Werbung im Fernsehen. Finanz- und Verbraucher:innenbildung kann Kindern helfen, das Erlebte einzuordnen und Konsum besser zu verstehen.

 

Drei Themenbereiche der Finanz- und Verbraucher:innenbildung im Kindergarten

  • Mit Werbung umgehen

Kinder entwickeln bereits im Kindergartenalter ein Verständnis dafür, dass Unterhaltungsprogramme und Werbung im Fernsehen unterschiedliche Formate sind. Allerdings ist die Entwicklung eines kritischen Bewusstseins dafür, dass Werbeversprechen nicht immer der Wahrheit entsprechen, eine große Herausforderung. Die Forschung fordert neben der Regulierung von Werbung, die sich an Kinder richtet, auch die Förderung von kritischem Bewusstsein für Werbeinhalte. Das ist wichtig, weil auch Kinder im Kindergartenalter bereits auf Werbung reagieren, die sich an Erwachsene richtet – selbst, wenn das Produkt für sie gar nicht interessant ist. 

  • Konsumentscheidungen treffen

Kinder lernen schon früh, sich zumindest unbewusst als Konsument:innen zu begreifen. Finanz- und Verbraucher:innenbildung kann helfen, diese Rolle als Konsument:in zu verstehen, Handlungsspielräume kennenzulernen und Entscheidungen bewusst zu treffen. Konsumentscheidungen sind dabei einerseits finanzielle Entscheidungen. In diesem Rahmen kann z.B. thematisiert werden, dass Dinge aus verschiedenen Gründen unterschiedlich viel kosten. Andererseits werden Konsumentscheidungen aber auch von nicht-finanziellen Faktoren geprägt. In der pädagogischen Praxis können dabei Themen wie Nachhaltigkeit (z.B. Müllvermeidung) oder Gesundheit (z.B. Banane vs. Schokolade) aufgegriffen werden. 

 

  • Einkaufen und Bezahlen verstehen

Kinder erleben im Alltag, wie eingekauft und bezahlt wird. Durch die Digitalisierung hat sich daran viel verändert. Bei Bargeldzahlungen ist für Kinder gut ersichtlich, dass unterschiedliche Scheine und Münzen verwendet werden. Das kann thematisiert werden, um unterschiedliche Preise für verschiedene Einkäufe zu thematisieren. Gleichzeitig können Kinder beobachten, dass Geld aus dem Bankomaten kommt, und Studien zeigen, dass Kindergartenkinder bereits gut verstehen, dass ihre Eltern Geld für ihre Arbeit bekommen. Bei elektronischen Zahlungen – mit Karte und besonders mit Smartphone oder Wearable – geht der Bezug zu Geld, Geldherkunft und Geldmenge leicht verloren. Das trifft auch auf Online-Käufe und „Buy Now, Pay Later“-Angebote zu. Materialien und Methoden der Finanz- und Verbraucher:innenbildung sollten mit der Zeit gehen und digitale Konsum- und Bezahlmethoden aufgreifen. Gleichzeitig können Eltern und andere Bezugspersonen von Kindergartenkindern bewusst Bargeld nutzen, um Bezahlvorgänge zu veranschaulichen.

Früh erworbene Kompetenzen im Umgang mit Geld, Konsum und Werbung bilden eine Grundlage für spätere finanzielle Selbstständigkeit und verantwortungsbewusstes wirtschaftliches Handeln. Finanz- und Verbraucher:innenbildung beginnt nicht erst in der Schule. Sie setzt dort an, wo Kinder beginnen, ihre Umwelt aktiv zu beobachten und zu hinterfragen – schon im Kindergarten.

Neugierig geworden? In dieser Podcast-Folge sprechen OeNB-Finanzbildungsexpertinnen über den derzeitigen Forschungsstand zur Finanzbildung im Kindergarten.