Das kleine Wann-wird’s-meins: Sparziele, Wünsche und Bedürfnisse im Kindergarten
Autorin: Julia Jakob
Jedes Kind kennt wohl die Situation, nicht jeden Wunsch sofort erfüllt zu bekommen. Aber wie können Kinder im Kindergartenalter ihre eigenen Wünsche bereits einschätzen und benennen? Wie kann man Kinder dabei unterstützen, ihre Emotionen und ihr Verhalten beim Warten auf die Wunscherfüllung selbst zu regulieren – und somit auch einen Beitrag zum Verständnis von Themen wie Sparen leisten? Diesen Fragen widmet sich dieser Blogartikel.
Was ich brauche, was du willst: Bedürfnisse und Wünsche erkennen und benennen
Kinder können ab ca. 4 Jahren häufig gut zwischen Bedürfnissen und Wünschen unterscheiden, fassen Bedürfnisse aber teilweise sehr eng (z. B. Nahrungsmittel). Durch bewusstes Sprechen über Bedürfnisse und Wünsche können Kinder ihr Verständnis davon ausbauen und auch in ihrer sprachlichen Entwicklung unterstützt werden. So lernen Kinder auch, klar zu kommunizieren, was sie wollen und brauchen. Dabei kann z.B. auch das Begründen geübt werden (warum möchtest du lieber das blaue Auto als das rote haben?)
Im Kindergartenalter entwickelt sich auch die Fähigkeit weiter, Wünsche anderer Personen zu verstehen und dazu passende Entscheidungen zu treffen (z.B.: Worüber freut sich meine Mama?). Das Erkennen und Ausdrücken der eigenen Interessen und der Interessen anderer sind wichtige Fähigkeiten für sozialkompetentes Handeln. Auch später, wenn eigene Konsumentscheidungen anstehen, ist es wichtig, Bedürfnisse und Wünsche erkennen, einordnen und bewerten zu können. So können finanzielle Entscheidungen bewusst getroffen werden (z. B. Geld für einen kurzfristigen Wunsch ausgeben oder basierend auf einem langfristigen Wunsch ein Sparziel setzen).
Warten und Sparen: Kinder in der Entwicklung dieser Fähigkeiten unterstützen
Studien zeigen: Kinder können schon ab ca. 3 Jahren beginnen, zu sparen. Dabei ist jedoch ganz wesentlich: Dieses Sparverhalten unterscheidet sich vom Sparverhalten älterer Kinder – und natürlich noch stärker vom Sparverhalten Erwachsener. Wenn Kinder im Kindergartenalter sparen, hängt das oft damit zusammen, dass sie das Sparen als sozial erwünschte Handlung erkennen. Wenn sie sich Sparziele setzen, sind diese meist sehr kurzfristig und konkret (z.B. ein spezielles Spielzeug). Das liegt auch daran, dass das Zeitverständnis im Kindergartenalter noch nicht so ausgeprägt ist und längere, abstrakte Zeiträume schwer vorstellbar sind. (Nicht umsonst brechen viele Erwachsene in der Kommunikation mit Kindern das Konzept „übermorgen“ auf „noch zweimal schlafen“ herunter.)
Experimentelle Studien zeigen: Kinder im Kindergartenalter lernen bei wiederholten Sparaufgaben dazu. Sie schaffen es also z. B. beim zweiten Versuch, mehr zu sparen als beim ersten. Ähnliche Situationen zu wiederholen könnte also hilfreich sein, um das Sparen zu ermutigen, auch bzw. gerade dann, wenn Kinder sich anfangs damit noch schwertun.
Gleichzeitig hilft es Kindern im Kindergartenalter, wenn der positive Effekt des Sparens auf ihre zukünftigen Gefühle betont wird. In einer Studie, in der sich Kinder Murmeln einteilen mussten, wurden sie davor gebeten, sich ihre Gefühle vorzustellen – entweder positiv oder negativ. („Wie würdest du dich denn später fühlen, wenn du es jetzt sparst? Ich denke, ziemlich glücklich, oder?“ bzw. „Wie würdest du dich denn später fühlen, wenn du jetzt nicht sparst? Ich denke, ziemlich traurig, oder?“). Kinder mit der positiven Zukunftsvorstellung schafften es am besten.
Allgemein profitieren Kinder ab 3 Jahren auch von verbalen Erinnerungen, die sie darauf aufmerksam machen, dass Sparen eine Option ist. Auch Methoden, die Sparen und Budgetieren sichtbar machen – z. B. mit zwei verschiedenen Gläsern oder Schüsseln, von denen eine „für jetzt“ und eine „für später“ ist – sind schon im Kindergartenalter hilfreich.
Ganz wichtig ist: Kinder müssen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, damit sie das Vertrauen aufbauen können, dass ihnen ihr Erspartes auch wirklich selbst zur Verfügung steht. Werden z. B. Süßigkeiten für später gespart und dann z. B. von einem Elternteil verspeist, trägt das nicht zu diesem Vertrauen bei.
Gleichzeitig gilt: Wenn Kindergartenkinder es auch mit Ermutigung und bei stabilen Rahmenbedingungen (noch) nicht schaffen, zu sparen, ist das völlig normal. Auch wenn sie es vielleicht noch nicht umsetzen können, können sie trotzdem schon einiges über das Konzept lernen.
Sparen kann also schon im Kindergartenalter ein Thema sein. So können Kinder auch gut auf die ersten Erfahrungen mit eigenem Geld vorbereitet werden, z. B. mit Taschengeld, das der Taschengeldleitfaden der OeNB-Finanzbildung ab 6 Jahren empfiehlt.