Das kleine Deins+Meins: Teilen, borgen und schenken in der Finanzbildung im Kindergarten

Autorin: Julia Jakob

Teilen, borgen und schenken passieren im Großen wie im Kleinen. Bereits im Kindergartenalter können Kinder ein Verständnis für die wichtigsten Prinzipien aufbauen, die sie in ihrem späteren (Finanz-)Leben anwenden können.

Im Kindergarten kann spielerisch oder mit Geschichten der Unterschied zwischen Schenken und Borgen erarbeitet werden. Dabei lernen Kinder, dass Geborgtes zurückgegeben werden muss – oft zu einem bestimmten Zeitpunkt und immer in einem guten Zustand. So üben Kinder, mit Dingen, die ihnen nicht gehören, sorgsam umzugehen. Sie können auch lernen, die Bedingungen auszuhandeln (Wie lange darf ich mit deinem Dreirad fahren? Wie weit?) und sich an Vereinbarungen zu halten. Borgen kann auch außerhalb der Beziehungen mit anderen Kindern einen direkten Bezug zu ihrer Lebensrealität haben.

Es kann z. B. thematisiert werden, wenn Erwachsene für sie ein Buch in der Bücherei ausleihen oder sich für die Fahrt zum Möbelhaus ein Auto ausborgen. Gleichzeitig kann im Kindergartenalter ein Verständnis fürs Schenken und Beschenktwerden aufgebaut werden. Dabei kann auch der Unterschied zum Borgen betont werden. 

Auch Themen rund um Verteilung, Gerechtigkeit und Spenden können bereits im Kindergartenalter adressiert werden. Kinder bemerken in ihrer Lebensrealität, dass nicht alle Menschen gleich viel haben, und können bereits im Kindergartenalter artikulieren, wenn sie finden, dass Ressourcen gerecht verteilt und geteilt werden sollen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Kinder sich oft damit schwertun, selbst zu teilen (und das auch selbst wissen und ausdrücken können). In experimentellen Studien teilen Kinder außerdem öfter mit Personen, die bereits viel haben, statt mit jenen, die nichts haben – wohl aus strategischen Gründen, weil sie sich davon reziprokes Verhalten erhoffen. Für die Finanz- und Verbraucher:innenbildung ergeben sich hier mehrere Anknüpfungspunkte. 

  • Erstens können Kinder lernen, ihre eigene Situation im Verhältnis der Situation anderer zu sehen und ihr Verhalten daraus abzuleiten und zu begründen. Das kann strategisches wie auch prosoziales Handeln miteinschließen. 
  • Zweitens lernen Kinder, verstärkt über den Wert von Dingen nachzudenken, die sie verschenken/spenden möchten. Das kann positive Auswirkungen im Sinne der Achtsamkeit und der Nachhaltigkeit haben: Kinder lernen, dass Dinge, die sie nicht (mehr) brauchen, die Bedürfnisse anderer decken können, und können so einen positiven Bezug zum Teilen von Ressourcen aufbauen. 
  • Drittens können Kinder so auch über ihre eigenen Prioritäten reflektieren: Welche Dinge können bzw. wollen sie nicht verschenken, spenden oder verborgen (z.B. das Lieblingskuscheltier), weil sie einen großen Wert für sie haben? Dadurch lernen Kinder, dass ihre Entscheidungen ihre zukünftigen Ressourcen beeinflussen. 

Mithilfe pädagogischer Interventionen der Finanz- und Verbraucher:innenbildung – z.B. Kennenlernen verschiedener Perspektiven auf Teilen, Borgen und Schenken in Geschichten – können Kinder sich in diesem Themenfeld weiterentwickeln. Aufbauend auf das Pilotprojekt Geldwert-Wertvoll entwickeln die OeNB und das Sozialministerium nun wissenschaftlich fundierte Materialien und Konzepte weiter, um Pädagog:innen und Bildungspartner:innen bestmöglich in ihrer Arbeit zu unterstützen.

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